Rückblick - LSV-Winterabende 2022-2023

Hier werden die Inhalte der bereits abgehaltenen Winterabende im Winter 2022/2023 in Kurzform wiedergegeben:

 

 

Ein Aufruf zum Mitmachen und Einbringen von weiteren Themen findet man hier.

 

 

1. Winterabend - 11.11.2022 - Jan Bemelmans

Thema: Fliegen ins benachbarte Ausland: FRANKREICH - Flugplanung, Luftraumstruktur, Sprechfunk, Tipps & Tricks

 

Jan B 20221111 220103Frankreich ist auch für Privatpiloten und -pilotinnen ein lohnendes Ziel. Aber schnell mal spontan nach Frankreich fliegen? Einfach weil das Wetter gerade passt? Wer den Vortrag von Jan Bemelmans zum Thema Fliegen in Frankreich gehört hat dem ist klar geworden: Fliegen in Frankreich erfordert eine gründliche Vorbereitung. 

 

Trotz der weitreichenden Aktivitäten zur Harmonisierung der Regeln im europäischen Luftraum (SERA) sind einige wichtige Regeln in Frankreich doch massiv anders als man dies in Deutschland gewohnt ist. Jan ging in seinem Vortrag auf die wichtigsten Unterschiede ein, indem er die einzelnen Themenbereiche

 

  • Flugvorbereitung
  • Luftraumstruktur
  • Flugpläne
  • Sprechfunk auf französisch

ausführlich behandelte. 

 

Während es bei den Lufträumen viele ähnliche Definitionen gibt, unterscheiden sich die Mindestflughöhen in unserem Nachbarland drastisch von den in Deutschland gültigen. Auch die Sperr- Gefahren- und Beschränkungsgebiete sind anders definiert und bezeichnet. 

 

Eine Besonderheit in Frankreich ist die Vielzahl von militärischen Tieffluggebieten welche nur temporär aktiv sind. Tagesaktuell kann sich die Belegung ändern - ein wichtiger Aspekt in der Planung einer Flugroute.

 

Unterschiedlich ist in Frankreich auch das Verhalten auf kontrollierten und unkontrollierten Flugplätzen bei den An- und Abflugprozeduren. Das fängt schon mit der (meist fehlenden) Platzrunde an und betrifft auch die generelle Nutzung. Schnell kann aus einem kontrollierten Flugplatz ein unkontrollierter werden, wenn in der Mittagspause der Turm unbesetzt bleibt.

 

Zum Thema Sprechfunk konnte Jan verschiedene Filmausschnitte verwenden die auf einem Flug nach Frankreich (Haguenau, LFSH) entstanden sind. Wichtige Meldungen in französischer Sprache sind hier sehr lehrreich zu hören und auch ins Deutsche übersetzt. Dieser Film ist auch auf dem Youtube-Kanal des LSV Worms verfügbar. Hier der direkte Link.

 

Die Ausführungen über das Ausfüllen der notwendigen Flugpläne sowie die Besonderheiten bei der Betankung von Flugzeugen (Bezahlung) rundeten den Vortrag ab. 

 

Wer sich für Details interessiert kann in der untenstehenden Linkliste wichtige Informationen erhalten, mit denen sicheres Fliegen in Frankreich einfacher wird.

 

Eine Flugvorbereitung, die konsequent die von Jan vorgestellten wertvollen Erfahrungen nutzt, ermöglicht fortgeschrittenen Piloten auch die Erweiterung ihres fliegerischen Horizonts in Richtung Frankreich.

 

Linkliste:

 

 

2. Winterabend - 25.11.2022 - Veit Held

Thema: Aerodynamik - Refresher - Download der Unterlagen von Veit Held

 

Thema: Refresher Aerodynamik: Vom Auftrieb bis zur Reynoldszahl. Wie funktionieren Flügel, Propeller und Leitwerke wirklich?

 

Simple airfoil streamlinesZu dem Thema warum ein Flugzeug eigentlich fliegt, gibt es viele z.T. sehr irreführende, unverständliche oder schlicht falsche Erklärungen. Im Vortrag von Veit wurde der Auftriebseffekt rein auf der Basis der drei Newton'schen Gesetze erklärt:

  1. Ein Körper verharrt in einem gleichförmigen Bewegungszustand, sofern keine äußeren Kräfte auf ihn einwirken
  2. Kraft = Masse x Beschleunigung
  3. actio = reactio, zu jeder Kraft existiert eine gleichgroße entgegengesetzt gerichtete Gegenkraft

Mehr, so Veit, braucht man nicht, um aus der Analyse der Umströmung eines Flügelprofils das Zustandekommen der Kraft, die schließlich das Flugzeug in der Luft hält, zu verstehen. Allein aus den Kurvenradien der Stromlinien kann man sofort die Druckverteilung um den Flügel rekonstruieren. Wie jede Masse können auch Luftteilchen ihre Bewegungsrichtung nur ändern, wenn Kräfte auf sie einwirken. Daher kann man mit den Newtonschen Gesetzen aus der Bahn der Luftteilchen die entsprechenden Kräfte ableiten und es erklärt sich alles, was man zum oben bleiben braucht. Diese fundamentalen Einsichten visualisierte Veit mit sehr einprägsamen Schaubildern ohne tief in physkalische Gleichungen abtauchen zu müssen.

 

Neben der Erklärung durch die oben beschriebenen Gesetze wird in den gängigen Darstellungen auch stets der Zusammenhang zwischen Druck und Strömungsgeschwindigkeit bemüht, der durch den Schweizer Physiker Daniel Bernoulli bekannt wurde. Demnach ist die Summe von statischem Umgebungsdruck und dem dynamischem (Stau-) Druck konstant. Veit zeigte auf, dass auch hier wieder Newton dahintersteckt und dass man mit Bernoulli die lokalen Strömungsgeschwindigkeiten, die Krümmungsradien der Stromlinien und die Druckverteilung beliebig ineinander umrechnen kann. Das allseits bekannte Pitotrohr (eigentlich Prandtl'sches Staurohr nach dem deutschen Ingenieur Ludwig Prandtl) nutzt diese Zusammenhänge, misst auf geschickte Art den Staudruck und erlaubt damit den Rückschluss auf die Anströmgeschwindigkeit.

 

Nach einem Ausflug in die Überschallströmungen sowie der Entstehung von Turbulenz und Stall bei zu hohen Re-Zahlen (nach Osborne Reynolds) ging es im weiteren Vortrag um die Stabilität des Flugzeugs. Es geht also darum, ob Flugzeuge so konstruiert werden können, dass sie ohne Zutun des Piloten immer eine stabile Fluglage einnehmen. Während man die Längsstabilität (um die Querachse) tatsächlich konstruktiv gewährleisten kann, gelingt dies um die Rollachse nur sehr eingeschränkt. Wenn der Pilot die „weight&balance“-Vorgaben beachtet, führt das Zusammenspiel von Schwerpunktslage und den Luftkräften am Flügel und Höhenruder zu einer negativen Rückkopplung, die den Flieger in Längsrichtung in die Horizontale bringt. Anders sieht es dabei mit der Rollstabilität um die Längsache aus, die aus prinzipiellen Gründen nur sehr eingeschränkt realisiert werden kann. In diesem Zusammenhang wurden Beispiele aus der Geschichte (Otto Lilienthal und Gebrüder Wright) erwähnt und die daraus entstehenden Probleme beim Fliegen und Bauweisen erläutert.

 

Zum Abschluß gab Veit noch einen interessanten, wenn auch überraschenden Tipp mit auf den Weg: "Wer ein guter Pilot werden will, der vergisst das gerade gelernte beim Fliegen im Cockpit am besten, denn hier kommt es auf das „muscle memory“, also das wiederholte Einüben und das Erreichen eines Fluggefühls an. Im Cockpit hat man keine Zeit zum Denken, daher ist hier zuviel Physik eher hinderlich."

 

Auch dieser Vortrag, wie alle aus der Reihe, kann bei Bedarf wiederholt werden, sofern sich genügend Interessenten zusammenfinden. Kurze Nachricht an Veit oder den Vorstand genügt bei Interesse.

 

Download der Unterlagen von Veit Held

 

Wer sich tiefer einlesen möchte: Hier ist eine exzellente Einführung und Klarstellung vieler Irrtümer: http://www3.eng.cam.ac.uk/outreach/Project-resources/Wind-turbine/howwingswork.pdf

Hier eine Widerlegung einer verbreiteten, aber falschen Erklärung: https://www.youtube.com/watch?v=e0l31p6RIaY

Ansonsten findet man bei Youtube oder https://aviation.stackexchange.com/ ganz hervorragende Beiträge.