Ein besonderes Wiedersehen im Cockpit

Zunächst ist es für die Pilotin Katharina Lenarcic und den Copiloten Simon Grimm ein Flug wie jeder andere im Cockpit eines Airbus A321neo einer deutschen Fluggesellschaft. Es herrscht Routine. Anzeigen werden geprüft, Verfahren abgearbeitet, Briefings durchgeführt und Zuständigkeiten geklärt. Routine, wie sie der Linienbetrieb verlangt. Handgriffe sitzen, Callouts kommen zur richtigen Zeit, alles läuft koordiniert und ruhig ab. Erst im späteren Verlauf des Tages, als die Arbeitsbelastung spürbar abnimmt und der Autopilot einen Großteil der Aufgaben übernimmt, entsteht Raum für ein persönlicheres Gespräch jenseits von Checklisten und Verfahren..

„Wo hast Du eigentlich Deine erste Lizenz gemacht?“ – eine Frage ohne besondere Absicht. Die Antwort ist knapp, doch sie löst Überraschung aus: Beide haben vor Jahren im LSV Worms ihre Ausbildung begonnen. Ein Zufall, der die Distanz der professionellen Rollen für einen Moment überbrückt. Für einen kurzen Moment liegt im Cockpit dieses stille, ungläubige „Das kann jetzt nicht dein Ernst sein“ in der Luft. Einer dieser seltenen Augenblicke, in denen sich Lebenswege unerwartet kreuzen.

Simon Grimm (Erster Offizier) und Katharina Lenarcic (Kapitänin) im Cockpit des A321neo nachdem sie zufällig herausgefunden haben, dass die Flugschule des LSV Worms ihre gemeinsame fliegerische Wurzel darstellt.

Katharina hat vor fast 25 Jahren als Flugschülerin im LSV Worms auf der vereinseigenen Cessna 172 ihre ersten Flugstunden absolviert. Seitdem hat sie nicht nur vier Kinder zur Welt gebracht, derzeit im Alter zwischen 4 und 14 Jahren, sondern ist seit knapp 2 Jahren auch als Captain im Cockpit des Airbus A319/320/321 unterwegs. Ihre Fluglehrerin in der Cessna war damals übrigens ihre Mutter Maria End, die auch heute noch aktiv in verschiedenen Flugschulen in Worms mitarbeitet.

Worms ist Simon bestens vertraut. Er war über Jahre aktives Mitglied im LSV Worms, hat dort seine fliegerische Laufbahn begonnen und ist bis heute regelmäßig in und um Worms als Fluglehrer tätig. Die Mutter von Katharina, Maria End, kennt er natürlich auch persönlich.

Für Simon fiel der Startschuss zur Pilotenausbildung 2019 und bereits während der Ausbildung in Worms wurde klar, dass es um weit mehr ging als um ein neues Hobby. Aus Neugier wurde Leidenschaft, aus Leidenschaft Konsequenz. 2023 hielt Simon seine Berufspilotenlizenz in den Händen. Wenige Monate später folgte die Zusage einer deutschen Fluggesellschaft. Seit Anfang 2024 fliegt er als Erster Offizier auf dem Airbus A320. 

Für einen Moment scheint die Routine im Flug zu verschwinden. Statt Checklisten und Instrumenten rückt die Erinnerung an die ersten Flugstunden in den Vordergrund: das Vibrieren der Vereins-Cessna beim Motor anlassen, die anfangs nervöse Hand am Steuerknüppel, die Stimme der Fluglehrer im Ohr. Zwei Karrieren, die unabhängig voneinander ihren Weg gemacht haben, kreuzen sich nun wieder – hoch über den Wolken.

Die zufällige Begegnung im Cockpit zeigt eindrucksvoll, wie klein die fliegerische Welt manchmal ist und wie prägend die Vereinsausbildung sein kann. Der Luftsportverein Worms ist dabei mehr als ein Startpunkt. Er ist ein Ort, an dem Begeisterung entsteht, Verantwortung gelernt wird und fliegerische Laufbahnen wachsen können. Vom ersten Rundflug bis ins Cockpit eines Verkehrsflugzeugs. Der Verein war kein bloßer Ausgangspunkt, sondern ein Fundament: Er formte Persönlichkeiten, die heute Passagiermaschinen sicher durch den Himmel steuern. Dort wurden nicht nur die ersten Starts und Landungen geübt, sondern auch die Standards vermittelt, die heute im professionellen Flugbetrieb selbstverständlich sind.

Die Ausbildung im Verein war geprägt von klaren Verfahren, konsequenter Sicherheitskultur und einem strukturierten Aufbau der Kenntnisse. Diese Elemente schaffen eine Basis, die über Jahre hinweg trägt – unabhängig davon, ob der Weg später ins Cockpit eines Verkehrsflugzeugs oder in die private Fliegerei führt.

Die Begegnung macht deutlich, dass solide Vereinsarbeit weit über Hobby und Freizeit hinausgeht – sie bildet das Fundament, auf dem verantwortungsbewusste Pilotinnen und Piloten heranwachsen.

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